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26.09.2015

{BookEmotions} Schundliteratur - und warum es diese nicht gibt!


Hallo ihr Lieben, 

ich habe mich vor kurzem darüber aufgeregt, dass jemand behauptet hat, das, was ich - bzw. Leute in meinem Alter - normalerweise lesen, sei Schundliteratur. Des Weiteren hat betreffende Person gesagt, wenn wir denn mal etwas anständiges lesen wollen, sollen wir... Daraufhin hat er uns dann einen sog. Klassiker genannt, den ich zuvor noch nicht kannte - nun gut, ich bin halt auch nicht Allwissend und habe mir brav den Titel notiert, um ihn mal zu googeln. So viel also zur Ausgangssituation, die mich dazu bewogen hat, diesen Post hier zu schreiben. 


Doch was ist Schundliteratur überhaupt?

Gute Frage, auf jeden Fall nichts positives. Laut Wikipedia ist Schundliteratur "ein Begriff, mit dem angeblich unmoralische oder verderbte Literatur angeprangert wird". Direkt daneben sieht man ein Bild von einer Verbrennung von "Schmutz- und Schundliteratur" zu Zeiten der DDR - es gab übrigens auch in der BRD ein sog. "Schundgesetz" laut Wikipedia. Damals waren auch Comics der "Inbegriff der Schundliteratur". Man konnte sie sogar gegen "gute" Bücher und Hefte tauschen. 
Mein erster Gedanke, als ich das gelesen habe, war: Wenn in der DDR nun Bücher verbrannt werden, wo ist dann der Unterschied zur Zensur? Wo bleibt dann die freie Meinungsäußerung? Diesen Gedanken spinne ich jetzt aber nicht weiter, führt er uns doch in eine ganz andere Richtung. 
Wenigstens haben wir jetzt eine Antwort darauf, was Schundliteratur ist: verderbliche und unmoralisch ist sie.
Die Person, die mich unfreiwillig auf diesen Post gebracht hat, hat wohl aber eher gemeint: alles, was nicht ein Klassiker ist oder von irgendeinem besonders klugen Kopf geschrieben wurde. So hat jeder doch seine eigene Vorstellung, wenn er mit dem Begriff Schundliteratur in Berührung kommt.

Warum das falsch ist - zumindest meiner Meinung nach?

Ja, ich halte Schundliteratur für totalen Blödsinn. Meiner Meinung nach gibt es die nicht. Punkt. Warum ich das denke? Dazu eine kleine Anekdote.
Ich saß in der Schulbibliothek, wollte Mathe Hausaufgaben machen, als - wie das immer so ist - zwei Freunde an meinem Tisch ein Gespräch darüber beginnen, was sie gestern Abend gemacht haben. Eine der beiden meint, sie habe bis spät in den Abend gelesen, deswegen sei sie auch so müde. Ihr kennt mich und wisst, dass ich an diesem Punkt mich - natürlich - ins Gespräch einklinken musste. 
Begeistert frage ich nach, was sie denn gelesen habe. Meine Begeisterung rührte übrigens auch daher, dass besagte Freundin normalerweise eher ungern liest und nur selten Bücher findet, durch die sie sich nicht durchbläuen müsste, um diese zu lesen.
Sie schaut mich etwas verlegen an und sagt - leiser als zuvor - "Shades of Grey". "Wie cool!" Ich brachte meine Freude zum Ausdruck und sagte, wie toll ich es finden würde, dass sie liest. Es gebe überhaupt keinen Grund, deswegen verlegen zu sein. 

DENN: Buch ist Buch. Lesen soll unterhalten. Begeistern. Spaß machen. Faszinieren. Manchmal auch bilden. Als Leser darf man sich selber aussuchen, was man möchte. Und für seine Entscheidung sollte man sich nie schämen! Lesen ist nicht etwas, wofür man sich schämen sollte!
Ja, ich lese gerne mal einen Klassiker - besonders Shakespeare und Goethe haben es mir angetan. Auch Biographien mag ich. Sachbücher auch. 
ABER: Ich liebe auch Fantasy-Bücher. Contemporary. Romance. Thriller. Eben Unterhaltung. Warum sollte ich das nicht lesen dürfen? Wenn die Person, die mich auf dieses Thema gebracht hat, das Wort Schundliteratur in den Mund nimmt, macht es denn Anschein, als wolle er es mir verbieten, diese zu lesen. Vampire, bäh. Zauberei, Kinderkram. Aber dann redet er kurz später über einen Horror-Film. Moment, was? HORROR? Lernst du dabei etwa etwas? Steht dabei nicht die Unterhaltung, der Spaß im Vordergrund? Ja, doch, er gibt es offen zu. Warum ist es dann falsch, wenn ich statt einen Horror-Film anzuschauen, ein Fantasy-Buch lese - oder in dem Fall meiner Freundin, Shades of Grey?

Shades of Grey - ein Tabu?

Nein, definitiv nicht. Ich ärgere mich immer, wenn jemand negativ über Shades of Grey urteilt - und das Buch nicht einmal gelesen hat. Zugegebenermaßen, ich habe es auch nicht gelesen. Ich habe es auch nicht vor. Es zieht mich nunmal einfach nicht zu Erotik-Romanen. Aber nicht weil ich sie verurteilen würde, sondern weil es mich schlichtweg nicht interessiert. Und das ist meiner Meinung nach, vollkommen okay.
Aber ich habe auch gar nichts dagegen, wenn es jemand liest. Super! 

Hey, du liest!

Cool! Ich mache Freudensprünge, japse nach Luft vor Begeisterung. Jemand mehr hat für sich das Buch entdeckt. Die Aneinanderreihung von Buchstaben zu Wörtern, die wie durch einen Zauber Geschichten und ganze Welten vor deinem inneren Auge entstehen lassen. Das ist ein Wunder - und wir sollten uns dessen erfreuen und nicht mit dem Zeigefinger auf jemanden zeigen, der es hautnah erleben darf. 

Lesen ist wertvoll! Und das IMMER!

Auch wenn man jetzt nicht neue Informationen aus eine Buch mitnimmt, lernen tut man irgendwie (fast) immer was. Viele Bücher, die diese gewisse Person als Schundliteratur bezeichne würden, regen zum Nachdenken an, machen auf soziale Probleme aufmerksam - und das alles zum Beispiel verpackt in einer Liebesgeschichte. 
Und selbst wenn das nicht der Fall ist, durch englische Jugendbücher habe ich über die letzten Jahre mein Englisch stark verbessert. Ohne die, könnte ich jetzt wahrscheinlich nicht mich ohne Probleme ausdrücken und sogar ganze neue Geschichten in Englisch schreiben. 

Das eigentliche Problem...

...ist doch, dass diese Person, mir seine eigene Meinung aufdrücken wollte. Und darauf reagiere ich allergisch. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder seine eigene Meinung haben darf. Ob ich diese nun teile oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Vor allem, wenn es um so "harmlose" Dinge geht wie Literatur. 
Auch ich werde dominanter, wenn es um Rassismus geht. Fremdenfeindlichkeit geht gar nicht. Und das sage ich auch direkt. Für mich darf jeder seine eigene Meinung haben, doch wenn er damit jemanden verletzt oder durch sie sogar andere Menschen angreift, dann hat er eine Grenze überschritten, die es mir persönlich erlaubt, ihn zu verurteilen und gegen seine Meinung aktiv zu agieren. 
Aber verletze ich mit Büchern jemanden? Vorausgesetzt sie verbreiten nicht Gedanken wie "Mein Kampf" von Hitler. Das verdient das Wort Literatur aber schon gar nicht mehr. 
Wenn es jemanden nicht passt, dass meine Freundin ein Buch liest, in dem Sex - Oh Gott, ich habe das böse Wort gesagt! - vorkommt, dann soll er doch bitte weggehen. Zwingt ihn ja niemanden, es auch zu lesen oder sich mit ihr darüber zu unterhalten. 


Ja, ich weiß, dieser Post war sehr lang. Jeder, der es bis hierher geschafft hat, hat meinen vollen Respekt. Der Post ist gespickt mit halb fertig ausgeführten Gedanken, zu denen ich gerne eure Meinung hören würde. Findet ihr, dass es Schundliteratur gibt? Wenn ja, erklärt es mir warum, ich werde deswegen niemanden verurteilen - solange ihr mich ebenfalls für meine Meinung nicht verurteilt -, denn nichts ist wichtiger als konstruktiver Meinungsaustausch, bei dem alle Parteien etwas mitnehmen können!


Kommentare:

  1. Huhu liebe Maura ♥

    Ich kann dir wirklich nur zustimmen! Du hast in diesem
    wundervollen Post genau das angesprochen, was ich
    mir schon sehr oft gedacht habe. Oft wenn ich jemanden
    erzähle dass ich gerne lese, ernte ich überraschte Blicke
    à la "Was? Es gibt noch junge Leute die lesen?". Ich
    erzähle dann auch gerne welche Bücher ich besonders
    toll fand, aber meistens klammere ich Fantasy-Bücher aus,
    das viele es nicht verstehen das ein Fantasybuch nicht immer
    gleich etwas mit hochkomplexen Welten, Orks, Elfen,
    Mittelalter und komplizierter Magie zu tun haben muss.
    Jeder hat dieses Herr-der-Ringe-Bild im Kopf, dabei gibt
    es so zahlreiche Facetten in der Fantasyliteratur, die
    einfach nicht beachtet und geschätzt werden. Besonders
    von Erwachsenen kommt dann oft die Meinung,
    dass diese 'gewaltverherrlichenden Bücher' längst
    abgeschafft werden sollten... -.- ARGH!
    Das mit 'Shades of Grey' kann ich auch gut,
    nachvollziehen. Als ich mich an den ersten Band
    rangetastet habe und bei verschiedenen
    Buchcommunities wie WasLiestDu und Lovelybooks
    einstellte dass ich es gerade lese, bekam ich gleich
    drei Nachrichten, warum ich meine Zeit mit so etwas
    verschwende. Tatsächlich hat mir das Buch nicht
    sehr gut gefallen, weshalb ich es abgebrochen hatte
    aber ich finde es trotzdem eine Frechheit dass mir
    jemand sagt dass ich meine Zeit mit etwas verschwende,
    nur weil es jemand anderem nicht gefallen hat. Wer weiß,
    ob diese Personen das Buch überhaupt gelesen haben. o.o
    Ich bin absolut deiner Meinung: Es gibt keine Schundliteratur,
    und man sollte das Lesen worauf man Lust hat. Unabhängig von den
    Meinung anderer. :)

    Alles Liebe,
    Jasi ♥
    (Ich hoffe es macht dir nichts aus, dass ich mich hier in diesem
    Kommentar so ein bisschen ausgejammert habe. Aber dein
    Beitrag war einfach sehr inspirierend.^-^ )

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    1. Genau, das denke ich mir immer auch. Wenn mir ein Buch nicht gefallen hat, kann es einem anderen doch wiederum super gut gefallen. Deshalb gibt es auch nur sehr, sehr wenige Bücher (Forrest Gump) von denen ich wirklich abrate. Meistens sage ich dann sowas "Ich kann es nicht gutem Gewissens empfehlen, aber..." ;)

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  2. Hallo Maura,

    das Problem kenne ich nur zu gut.
    Besonders fällt mir da immer wieder "Twilight" ein. Ich habe angefangen die Bücher in der dritten/vierten Klasse zu lesen, war also wirklich noch recht jung (was wohl am Meisten daran lag, dass meine Mama nicht wusste, wie sie möglichst viele Bücher für mich bekommt, weil ich auch zu dieser Zeit schon viel gelesen habe. Also durfte ich dann auch mal ein paar ihrer Bücher lesen) und ich habe diese Reihe geliebt und liebe sie immer noch.
    Das war meine erste Fantasyreihe und ich war verliebt in alles an ihr. Und ich muss sagen, dass mir die Bücher auch heute noch wahnsinnig gut gefallen, aber wenn ich das in der Öffentlichkeit zugebe ist die Hölle los...
    Aussagen wie "Wie kannst du nur so einen Schrott lesen" "Das ist doch der letzte Mist" und "Haha. Du bist ja voll das Opfer" sind da nicht selten und zwar nur von Leuten, die nicht Bücher gelesen haben und nur auf diesen Anti- Twilight Zug aufgesprungen sind. Schön, dann denkt halt was ihr wollt, aber ihr versteht nicht was diese Bücher für mich bedeuten. Das ist einfach nur albern...
    Ich könnte jetzt noch zig andere Beispile zu ähnlichen Situationen aufführen (zum Beispiel zu Büchern von Stephanie Perkins... "Ihhh, Liebe. Das klingt ja mal voll kitschig.")...
    Schundliteratur gibt es einfach nicht, vorallem weil der Sinn der Bücher, die ich lese, darin besteht mich zu unterhalten. Wenn sie das schaffen ist das toll, wenn nicht laufe ich aber auch nicht durch die Gegend und schreie jeden an, der das Buch liest und mag. Aber verurteilt zu werden, weil man Twilight mag. Respekt an die heutige Jugend.
    ich bin froh Buchbloggerin zu sein um Leute zu finden die mich verstehen...
    Jetzt habe ich mich aber genug aufgeregt für heute :D

    Liebste Grüße
    Hannah♥

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    1. Ja, ich verstehe auch nicht, was alle gegen Twilight haben. Okay, die Filme nerven mich irgendwie, aber die Bücher. Ich würde sie zwar sicherlich nicht zu meinen Lieblingsbücher zählen, aber ich fand sie doch sehr unterhaltend.
      Das beste ist ja, dass solche Kommentare meistens von denen kommen, die selber so gut wie nie lesen und sich um die Deutschlektüre drücken und lieber eine Zusammenfassung lesen x'D

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  3. Total toller Post! Mein, ich bin auch kein Fan von "50 Shades of Grey" oder der "After"-Reihe, mich persönlich reizt da einfach die Story schon allein vom Klappentext her nicht, aber auf albern pseudo-intellektuelles Getue von wegen "Ich les nur Klassiker" reagiere ich auch allergisch. Und das nicht, weil ich keine Klassiker mögen würde, ganz im Gegenteil, sondern weil sich die meisten Leute nur damit selbst inszenieren wollen, wenn sie das so betonen. Dazu gibt es ein total geniales Hemingway-Zitat, das ich liebe: "Ein Klassiker ist ein Buch, das alle loben, aber keiner liest." ;)
    Wie auch immer: Wirklich schöner Post, gefällt mir :)
    lg
    Hekabe

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    1. Dein Kommentar trifft es genau auf den Punkt! Da kann ich gar nicht mehr etwas hinzufügen! ;)

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  4. "Als Leser darf man sich selber aussuchen, was man möchte." Punkt. Genau das.
    Diese "Besserleser" gehen mir auch schon immer auf die Nerven, besonders wenn es solche sind, über die du berichtest. Wenn sie einem ihre eigene Meinung aufdrücken wollen. Ich hätte nichts dagegen, wenn sie mir ein Buch ganz normal empfehlen würden, aber wenn man das Gefühl haben muss, dass sie einen umerziehen wollen, finde ich das richtig schlimm.
    Schöner Beitrag!

    LG, Cindy

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    1. Ja, genau, gegen simple Empfehlungen habe ich gar nichts, die finde ich super. So kann man doch immer wieder seinen Horizont erweitern und neue Dinge kennen lernen - und vielleicht auch ein echtes Schätzchen.

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  5. “Ich las damals unendlich viel und zwar gründlich. In wenigen Jahren schuf ich mir damit die Grundlagen eines Wissens, von denen ich auch heute noch zehre.” - aus Mein Kampf

    Nein, ich kenne das Buch nicht (rangiert in etwa auf Höhe von Shades of Gray in meiner interessen Liste :D), das Zitat ist nur auf einem alten Lesezeichen abgedruckt. Finde es immer wieder ironisch solche Worte vom Bücherverbrenner zu lesen.

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    1. Wow, okay, das Zitat kannte ich noch nicht, aber das ist ja echt heftig. Ich musste gerade erst einmal schlucken... :o

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  6. Ein ganz toller Post, der mir vollkommen aus der Seele spricht! Kann ich Wort für Wort so unterschreiben. Zumal ich selbst so oft merkwürdig angeschaut wurde, bei meinem Lesegeschmack - und das von Menschen, die gar nicht bis kaum lesen. Mittlerweile versuche ich, mir so etwas einfach nicht zu Herzen nehmen, aber es nervt mich trotzdem jedes Mal. Insofern - danke für deine richtigen Worte dafür. :-)

    Liebe Grüße!
    Jess

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